AMD – Altersabhängige Makuladegeneration
Für die Gesundheit Ihrer Augen möchten wir die Dinge so erklären, dass Sie sie verstehen.
Die altersabhängige Makuladegeneration ist eine häufige Erkrankung der Netzhautmitte. Sie tritt vor allem im höheren Lebensalter auf. Betroffen ist die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens. Lesen, Gesichter erkennen und feine Details können schwerer fallen. Das Seitensehen bleibt in der Regel erhalten.
Das Wichtigste zuerst: AMD ist häufig, aber durch frühes Erkennen, Rauchstopp, mediterrane Ernährung und in bestimmten Stadien gezielte Maßnahmen können Sie den Verlauf günstig beeinflussen. Regelmäßige Kontrollen sind der wichtigste Schutz.
Was ist AMD?
Erste Veränderungen zeigen sich oft als gelbliche Ablagerungen, sogenannte Drusen. Nur kleine Drusen ohne weitere Veränderungen gelten als normale Alterserscheinung und bedeuten noch keine AMD-Diagnose.
Im weiteren Verlauf unterscheidet man zwei Formen:
- Trockene AMD: Sie verläuft meist langsam und ist durch einen Gewebeabbau gekennzeichnet. Im Spätstadium kann eine geographische Atrophie entstehen.
- Feuchte AMD (neovaskuläre AMD): Es bilden sich krankhafte neue Gefäße. Der Verlauf ist oft schneller.
Fachlich spricht man außerdem von früher, intermediärer und später AMD. Das Stadium entscheidet über Kontrollabstände und darüber, ob eine bestimmte Nahrungsergänzung sinnvoll ist.
Wer ist besonders gefährdet?
Es gibt beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren. Nach der aktuellen S1-Leitlinie von DOG, BVA, Retinologischer Gesellschaft, DBSV und Pro Retina (2026) gilt:
Nicht beeinflussbar, gut belegt: Alter, AMD bei engen Angehörigen
Beeinflussbar, gut belegt:
- Rauchen. Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor. Rauchende erkranken im Schnitt mehrere Jahre früher.
- Ungünstige Ernährung
Mit eingeschränkter Evidenz werden hoher BMI und Bewegungsmangel diskutiert. Für UV-Licht, Bluthochdruck, Blutfette und eine Katarakt-Operation gibt es keine einheitliche Beweislage als AMD-Risiko. Gelbe bzw. Blaufilter-Kunstlinsen schützen nach aktuellen Auswertungen nicht vor AMD.
Genetik: Die Veranlagung spielt eine Rolle. Eine genetische Testung zur Vorhersage oder Therapieentscheidung soll außerhalb von Studien nicht erfolgen. Daraus ergeben sich derzeit keine gesicherten Konsequenzen für die Behandlung.
Besonders gefährdet sind enge Angehörige von AMD-Betroffenen sowie starke Raucherinnen und Raucher.
Früherkennung rettet Sehen
AMD entwickelt sich oft unbemerkt. Deshalb empfehlen wir, im Einklang mit der Leitlinie, ab einem Alter von 55 Jahren eine Untersuchung des Augenhintergrunds. Bei Rauchen und AMD in der engen Familie kann ein früherer Beginn sinnvoll sein, etwa ab 50 Jahren.
Orientierung für Folgeuntersuchungen (beide Augen, individuell anpassbar):
- keine AMD: nach 10 Jahren
- frühe AMD: nach 5 Jahren
- intermediäre AMD: jährlich
- späte AMD: abhängig von Befund, Verlauf und Beschwerden
Bei gut belegten Risiken (Rauchen, AMD bei erstgradig Verwandten) sollten die Abstände kürzer sein, zum Beispiel alle 2 Jahre bei früher AMD und halbjährlich bei intermediärer AMD.
Warnzeichen – bitte zeitnah kommen
- Verzerrtes Sehen (gerade Linien erscheinen krumm)
- Plötzliche Sehverschlechterung, besonders beim Lesen
- Ein dunkler oder grauer Fleck in der Mitte
Diese Zeichen können auf eine feuchte AMD hinweisen. Oft bemerkt man sie nur, wenn man jedes Auge einzeln prüft.
Selbstkontrolle mit dem Amsler-Gitter
Bei bekannten Veränderungen empfehlen wir das Amsler-Gitter zur regelmäßigen Kontrolle jedes Auges einzeln. Es ersetzt keine Untersuchung: Die Empfindlichkeit liegt nur bei etwa 70 Prozent. Deshalb bleiben fachärztliche Kontrollen unverzichtbar!
Welche Untersuchungen sind sinnvoll?
- Bestimmung der bestkorrigierten Sehschärfe
- Untersuchung des Augenhintergrunds
- OCT – Schichtaufnahme der Netzhaut
Besteht der Verdacht auf eine neu aufgetretene feuchte AMD, ist in der Regel eine Fluoreszein-Angiographie nötig. Ergänzend können OCT-Angiographie oder Indocyaningrün-Angiographie sinnvoll sein.
Was können Sie selbst tun?
Ein gesunder Lebensstil kann den Verlauf positiv beeinflussen. Die Leitlinie empfiehlt:
- Rauchstopp. Rauchen erhöht das Risiko um den Faktor 2 bis 4 und kann eine bestehende Atrophie beschleunigen. Nach etwa 20 Jahren ohne Rauchen nähert sich das Risiko wieder dem von Nie-Rauchenden.
- Mediterrane Ernährung. Viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse, Olivenöl, Fisch und Geflügel; wenig rotes Fleisch.
- Regelmäßige Bewegung und – bei Übergewicht – Gewichtsreduktion. Der Nutzen für Herz und Gefäße ist klar; ein günstiger Effekt auf die AMD ist plausibel.
Weitere Hinweise zur Ernährung: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (dge.de) und Pro Retina (pro-retina.de).
Nahrungsergänzungsmittel – was stimmt wirklich?
Wichtig: Zur Vorbeugung bei gesunden Augen ohne AMD sind Nahrungsergänzungsmittel nicht wirksam. Sinnvoll sind sie nur in bestimmten Stadien – und nur nach ärztlicher Beratung.
Die Studien AREDS und AREDS2 zeigen, dass eine bestimmte Vitamin- und Mineralstoffkombination das Fortschreiten in eine späte AMD verlangsamen kann. Nach AREDS2 liegt die Risikoreduktion in den empfohlenen Situationen bei etwa 10 Prozent über 10 Jahre.
Die Leitlinie empfiehlt AREDS2 bei intermediärer AMD oder fortgeschrittener AMD nur in einem Auge. Typische Beispiele:
- große Drusen oder ausgeprägte intermediäre Drusen in mindestens einem Auge
- nicht-zentrale geographische Atrophie in mindestens einem Auge
- fortgeschrittene AMD nur in einem Auge
Typische AREDS2-Zusammensetzung (Tagesdosis):
- Vitamin C 500 mg
- Vitamin E 400 I.E.
- Lutein 10 mg und Zeaxanthin 2 mg
- Zink 25 mg und Kupfer 2 mg
Beta-Carotin gehört nicht mehr dazu – besonders bei Rauchenden. Zusätzliches Omega-3 als Kapsel zeigte in AREDS2 keinen Extra-Nutzen. Präparate mit niedrigerer Dosis oder anderer Zusammensetzung haben keinen nachgewiesenen Schutz.
Die Einnahme ist nicht für alle geeignet. Bitte entscheiden Sie das mit uns.
Behandlungsmöglichkeiten
- Feuchte AMD: Standardtherapie sind Injektionen ins Auge. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser meist das Ergebnis.
- Trockene AMD: Der Schwerpunkt liegt auf der Verlangsamung des Fortschreitens. Spezifische Optionen für die geographische Atrophie besprechen wir individuell in der Sprechstunde.
Was nach aktuellem Wissen nicht hilft
- Nahrungsergänzung zur allgemeinen Vorbeugung bei gesunden Augen
- Omega-3 als Zusatzkapsel zusätzlich zu AREDS2
- Laserbehandlung von Drusen außerhalb von Studien
- Photobiomodulation (Lichttherapie) außerhalb von Studien
- Blaufilter- oder gelbe Kunstlinsen als AMD-Schutz
- Genetische Tests zur Screening- oder Therapieentscheidung außerhalb von Studien
Sonnen- bzw. UV-Schutz bleibt aus anderen Gründen sinnvoll (Lider, Augenoberfläche). Ein klarer AMD-Schutz durch UV-Vermeidung ist nicht belegt. Eine nötige Operation des grauen Stars wird bei AMD individuell entschieden; viele Betroffene profitieren funktionell.
Diese Information ersetzt keine individuelle Beratung. Grundlage ist die S1-Leitlinie „Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) sowie unsere Sprechstundenerfahrung.

