Brillen
Fern, Nah, Gleitsicht, Bildschirm und Kinderbrille
Eine Brille ist kein Selbstzweck. Sie bringt das Bild auf der Netzhaut wieder scharf, damit Sie klar sehen. In der Ferne, in der Nähe, am Schreibtisch oder damit ein Kind überhaupt scharf sehen lernen kann.
Stellen Sie sich das Auge wie eine Kamera vor. Manchmal steht die Schärfe nicht genau auf dem Sensor. Dann hilft eine Linse davor: die Brille.
Welche Brille die richtige ist, hängt davon ab, wohin Sie schauen und wie Ihr Auge einstellt. Das messen wir in der Praxis. Das Brillenglas selbst fertigt danach der Optiker.
Wann brauchen Sie eine Brille?
Eine Brille kann nötig sein bei:
- Kurzsichtigkeit: in der Nähe oft gut, in der Ferne unscharf
- Weitsichtigkeit: das Auge muss sich anstrengen, oft zuerst in der Nähe spürbar
- Stabsichtigkeit (Hornhautverkrümmung): Linien wirken verzogen oder Schatten
- Alterssichtigkeit: ab etwa Mitte 40 wird das scharfe Sehen in der Nähe schwerer
- bei Kindern, damit sich das Sehen überhaupt richtig entwickeln kann
Kopfschmerzen, Zusammenkneifen der Augen, müde Augen am Abend oder das Buch immer weiter weghalten sind häufige Hinweise. Sie ersetzen aber keine Messung.
Fernbrille
Die Fernbrille ist für alles, was weiter weg ist: Autofahren, Tafel, Fernseher, Wandern, Gesicht einer Person im Gespräch.
Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine Landschaft fotografieren. Die Fernbrille stellt die Kamera auf unendlich scharf.
Viele Kurzsichtige brauchen vor allem diese Brille. Weitsichtige und Menschen mit Hornhautverkrümmung können sie ebenfalls benötigen.
Wichtig: Mit einer reinen Fernbrille sehen Sie in der Nähe oft nicht komfortabel, sobald die Alterssichtigkeit dazukommt. Dann reicht „eine Brille für alles Weite“ nicht mehr.
Für das Autofahren muss die Sehschärfe mit der richtigen Korrektur ausreichen. Wenn unsicher, prüfen wir das.
Nahbrille
Die Nahbrille ist die klassische Lesebrille. Sie hilft beim Buch, bei der Speisekarte, beim Smartphone, beim Nähen.
Ab etwa Mitte 40 wird die eigene Linse im Auge weniger elastisch. Nahe Dinge scharf zu stellen, kostet dann mehr Kraft – irgendwann reicht die Kraft nicht mehr. Das ist Alterssichtigkeit, medizinisch Presbyopie. Sie ist normal, kein Zeichen für eine kranke Linse.
Stellen Sie sich die Nahbrille wie eine Lupe vor, die Sie nur für die kurze Distanz aufsetzen. Schauen Sie wieder in die Ferne, nehmen Sie sie ab sonst wird es unscharf.
Eine Nahbrille sitzt deshalb oft weiter unten auf der Nase. Sie ist einfach und günstig. Der Nachteil: Sobald Sie aufschauen, müssen Sie die Brille abnehmen oder darüber hinwegsehen.
Gleitsichtbrille
Die Gleitsichtbrille verbindet Ferne, Zwischenbereich und Nähe in einem Glas.
Oben schauen Sie in die Ferne. In der Mitte liegt der Bereich für den Schreibtisch oder das Armaturenbrett. Unten liegt der Lesebereich.
Stellen Sie sich statt zweier Stufen eine sanfte Rampe vor. Sie gehen mit dem Blick von weit nach nah, ohne die Brille zu wechseln.
Das braucht am Anfang oft ein paar Tage Übung. Der Kopf führt ein wenig mit, der Blick sucht die richtige Zone. Viele gewöhnen sich rasch daran. Manche spüren an den Rändern zunächst ein leichtes Schwimmen. Das ist meist Gewöhnung, kein Schaden.
Eine Gleitsichtbrille eignet sich, wenn Sie im Alltag ständig zwischen Entfernungen wechseln: Gespräch, Bildschirm, Zettel, Einkauf.
Nicht jede Gleitsichtbrille passt zu jedem Alltag. Wer sehr lange nur liest oder nur am Bildschirm sitzt, kommt mit einer eigenen Nah- oder Bildschirmbrille manchmal besser zurecht. Das klären wir in der Messung.
Bildschirmbrille
Die Bildschirmbrille ist für die mittlere Distanz: Bildschirm, Tastatur, Unterlagen auf dem Schreibtisch.
Der Bildschirm steht weder so weit weg wie die Straße noch so nah wie ein Buch. Eine normale Lesebrille ist oft zu stark für den Monitor. Eine Fernbrille ist oft zu schwach. Eine Gleitsichtbrille kann am Bildschirm den Kopf in eine unbequeme Haltung zwingen.
Stellen Sie sich den Schreibtisch als eigene Entfernung vor – ungefähr eine Armlänge. Die Bildschirmbrille ist genau auf diese Distanz geschliffen. Manche Gläser decken zusätzlich Tastatur und Papier ab.
Typische Hinweise, dass eine Bildschirmbrille helfen kann:
- nach der Bildschirmarbeit müde oder trockene Augen
- der Nacken wird steif, weil Sie den Kopf in eine bestimmte Haltung bringen
- Sie rücken näher an den Monitor oder weiter weg
- die Gleitsichtbrille reicht am Schreibtisch nicht bequem
Blinzeln Sie bewusst und machen Sie kurze Pausen. Der Bildschirm allein macht die Augen nicht kaputt. Aber eine falsche Brille macht die Arbeit unnötig anstrengend.
Ob eine spezielle Bildschirmbrille sinnvoll ist, hängt von Ihrer Sehstärke, Ihrem Arbeitsplatz und Ihren Beschwerden ab.
Kinderbrille
Bei Kindern geht es nicht nur um scharfes Sehen jetzt. Es geht darum, dass das Gehirn überhaupt lernt, scharf zu sehen.
Ein Kind merkt oft nicht, dass es unscharf sieht. Es kennt die Welt nur so. Deshalb bleiben Sehfehler leicht unbemerkt.
Stellen Sie sich vor, das Gehirn bekommt von einem Auge immer nur ein unscharfes Foto. Dann lernt es irgendwann, dieses Foto zu ignorieren. Es entsteht eine Schwachsichtigkeit. Eine rechtzeitige Brille kann das verhindern.
Eine Kinderbrille kann nötig sein bei Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung oder nach Schielen. Manchmal nur für ein Auge, manchmal für beide.
Damit die Brille wirkt, muss sie getragen werden oft ganztags, nicht nur „zum Fernsehen“. Ein Kind kann das Glas nicht selbst beurteilen. Deshalb kontrollieren wir die Stärke regelmäßig. Bei kleinen Kindern messen wir die Stärke häufig mit der Skiaskopie und speziellen Augentropfen.
Eine Kinderbrille soll sitzen, leicht sein und nicht rutschen. Zerbrochene oder verkratzte Gläser gehören zum Optiker. Eine falsche oder nicht getragene Brille nützt dem lernenden Sehen nichts.
Mehr zur Vorsorge finden Sie auf unserer Seite zur Kindersprechstunde.
Was wir in der Praxis machen und was der Optiker macht
Wir untersuchen das Auge und messen die Sehstärke. Wir klären, ob eine Brille überhaupt das Richtige ist oder ob etwas anderes hinter den Beschwerden steckt zum Beispiel trockene Augen, ein beginnender Grauer Star oder ein Problem am Sehnerv.
Den Schliff, die Fassung und die Anpassung der Gläser übernimmt der Optiker. Bringen Sie gerne Ihre aktuelle Brille zur Untersuchung mit. Wir haben ein excellentes Gerät um die Gläser Ihrer aktuellen Brille auszumessen.
Wir erklären Ihnen die Messung so, dass Sie sie verstehen. Danach wissen Sie, welche Brille Sie wirklich brauchen.

